Am 22.12. 2017 besuchte die Lateingruppe 6ac das Antikenkabinett im KHM, wo sie sich nicht nur mit Statuen und Vasen auseinandersetzte, sondern auch auf weihnachtliche Spuren stieß.
Ein Mithrasrelief gab Anlass darüber nachzudenken, warum wir gerade am 25.12. Weihnachten feiern. Es war in der Antike der Tag der Sonnenwende, und die Römer feierten den Geburtstag des orientalischen Sonnengottes Mithras, der nach der Überlieferung von einer Jungfrau geboren, auf die Welt kam, um das Böse zu bekämpfen. Alsbald wurde dieser weitverbreitete Mysterienkult aber von der christlichen Religion verdrängt. Am Beginn der Weihnachtsgeschichte des Lukas steht bekanntlich, dass Augustus den Bewohnern seines Reiches befahl, sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen.
Der Kaiser selbst ließ sich ungefähr zehn Jahre später nach erbitterten Kriegen in Pannonien als jupitergleiche Gestalt auf einer „Brosche“ verewigen: auf der „Gemma Augustea“, einem 19 mal 23 Zentimeter großen arabischer Halbedelstein, der heute als kostbarster Schatz der Sammlung gilt. Auf dem Stein wird auch auf den Sieg über die Bewohner unseres Gebietes Bezug genommen. Augustus verstand es, sich als Sieger und Friedensbringer zu inszenieren. Heute wissen wir, dass weder der weltliche Herrscher noch der jüdische Wanderprediger Jesus Frieden auf der Welt nachhaltig stiften konnten. 2000 Jahre später herrschen immer noch Krieg und Terror. Aber die weihnachtliche Sehnsucht nach Frieden ist wenigstens geblieben.